Montag, 18. Oktober 2010

Der Ton macht die Musik

Ich finde es unverantwortlich, wenn Eltern ihren Kindern sagen "Lass bitte die Jacke an!", aber der Tonfall signalisiert, "wenn du es nicht tust, knall ich dir eine". Wie soll das Arme Kind denn den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Befehl lernen? Nur der erzieherischen Korrektheit wegen das Wort "bitte" zu benutzen verdreht der Aussage doch völlig den Sinn. Man kann ja auch niemandem ins Gesicht schreien, dass man ihn furchtbar sympathisch findet. Aber diese "Korrektheit" schleicht sich genauso in anderen Situationen ein, z.B. wenn in zivil gekleidete Kontrolleure sich plötzlich mit ihrem "die Fahrkarten bitte mal zur Kontrolle!" zu erkennen geben und in ihrer feinsinnigen Art eines von nervös knurrenden Hunden begleiteten Polizeikommandos jemanden fast ins Koma versetzen können. Der falsche Gebrauch von Höflichkeitsfloskeln macht sich breit. Nicht so erschreckend wie in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ähnlich sympathisch verhält es sich mit den armen Kassiererinnen, die jedermann einen genervten"schönen Abend" am Fließband wünschen. Am besten gibt man diesen Leuten Schauspielunterricht, damit sie wenigstens lernen richtig zu heucheln und dabei auch ein bisschen Spaß haben. Und Eltern könnte man Deutschunterricht erteilen, z.B. durch Migranten. Das würde auch gleichzeitig den kulturellen Austausch und die Integrierung und Integration fördern, was wiederum aggressives Potential, ausgelöst durch Vorurteile gegen Fremde von den einen und fehlendem sozialen Anschluss von den anderen mildern würde. Somit könnten auch wieder viele Leute ein aufrichtig freundliches "Bitte" aussprechen.