Montag, 29. August 2011

Schokobad


In bade in heißem, dunklen Kakao. Dampf steigt auf, ich schwimme von einem Ende des Bottichs zum anderen. Gelegentlich tauche ich ab und lasse so zu, dass auch mein Gesicht und mein Haar ganz vom Kakao impregniert werden. Ich fühle, wie die Schokolade durch meine Poren dringt, es kitzelt ein bisschen und meine blasse Haut verfärbt sich bräunlich. Ich tauche bis ganz unten auf den Boden des Bottichs, um vollkommen von der Schokolade durchdrungen zu werden. Ich lasse die süße Flüssigkeit durch meinen Mund laufen, gurgle ein wenig und spucke sie dann wie eine Fontäne senkrecht nach oben. Sie fällt runter und klatscht mir aufs Gesicht. Der Duft betört mich, ich lasse mich auf dem Rücken treiben, schlage vor Freude mit der Handfläche auf den Kakao, so dass es spritzt. Dann öffne ich schnell den Mund und fange die kleinen Tropfen, die herunter kommen, so wieder auf.
Man muss aufpassen, dass die Schokolade nicht zu heiß ist, wenn man in sie hineinsteigt, sonst verbrennt man sich schnell die Haut und zurück bleiben dunkelbraune Flecken, die immer süßlich riechen. Dann trägt man den Schokoladengeruch für immer mit sich und wird ihn auch nach langer Zeit nicht mehr los. Man muss sich also in Acht nehmen mit dem Schokoladenbaden. Die Häufigkeit spielt hierbei keine Rolle, man kann so oft in heißer Schokolade baden, wie man Lust dazu verspürt, es besteht keine Gefahr der Überdosierung. Ich selbst bade mindestens alle 2 Tage in Kakao, manchmal sogar mehrmals täglich und bekomme davon nie genug. 

Sonntag, 28. August 2011

Misstrauensfragment


Irgendwann waren alle Menschen allen gegenüber so misstrauisch geworden, dass sie sich nur noch kurze hass- und angsterfüllte Blicke zuwarfen und das auch nur hinter einem hochgeschobenen Kragen oder durch eine dunkle Sonnenbrille hindurch. Anstatt miteinander zu reden, fauchten, brüllten oder knurrten sie sich an wie Tiere, sobald einer zu sehr in die Nähe des anderen kam. Die Macht des körperlich Stärkeren oder Schnelleren oder auch Listigsten setzte sich durch. Alte und schwangere Frauen fauchten besonders laut und schlugen jedem, der ihnen zu nahe kam, gleich die langen Fingernägel (die sie extra zu diesem Zweck züchteten) ins Gesicht. Das wurde besonders problematisch in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo es oft eng werden konnte und Kontakt daher unvermeidlich war.
Die Menschen hörten trotz ihres gegenseitigen Hasses jedoch nicht auf, sich zu vermehren. Auch Nachwuchs wurde als Waffe eingesetzt. Aber die Art der Vermehrung änderte sich. Frauen wurden viel häufiger vergewaltigt, auch auf offener Straße, denn es war klar, dass niemand ihnen helfen würde. Oft waren Frauenschreie draußen zu vernehmen, doch nur wenn die Polizei kam, konnte der Vergewaltiger vertrieben werden. Mehr geschah nicht, denn die Gefängnisse waren bereits so voll, dass keine Verbrecher mehr aufgenommen werden konnten, und man witterte schon eine Meuterei wegen der schlechten Bedingungen für Häftlinge. 

Mittwoch, 23. Februar 2011

Der Rock und die Chinesen

Chinesische Männer, zumindest in Macau, sprechen keine Frauen an -zumindest keine Westlichen.
Chinesische Männer drehen sich nicht nach Frauen um.
Chinesische Männer pfeifen nicht nach, schicken keine Sprüche hinterher.
Chinesische Männer sind schüchtern, zurückhaltend, vielleicht sogar abgeneigt.

Alles ändert sich, wenn man einen Minirock trägt.

Ode an die Tage

Oh, ich hab' schlechte Laune!

Druck auf der Stirn
Leichte Bauchschmerzen

Was für ein scheiß Lärm!

Anschwellende Brüste = schmerzende Brüste
Wenn er noch einmal....!!!

Großer Druck auf der Stirn
Großer Druck auf dem Bauch
Grrr

Bin ich dick geworden?
Ach, ich sehe kacke aus.
Hunger!

Kein Hunger
Rückenschmerzen!
Wieso bin ich so müde?

Ich muss mich dehnen.
Dieser blöde Nacken
Ahhhh!

Montag, 18. Oktober 2010

Der Ton macht die Musik

Ich finde es unverantwortlich, wenn Eltern ihren Kindern sagen "Lass bitte die Jacke an!", aber der Tonfall signalisiert, "wenn du es nicht tust, knall ich dir eine". Wie soll das Arme Kind denn den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Befehl lernen? Nur der erzieherischen Korrektheit wegen das Wort "bitte" zu benutzen verdreht der Aussage doch völlig den Sinn. Man kann ja auch niemandem ins Gesicht schreien, dass man ihn furchtbar sympathisch findet. Aber diese "Korrektheit" schleicht sich genauso in anderen Situationen ein, z.B. wenn in zivil gekleidete Kontrolleure sich plötzlich mit ihrem "die Fahrkarten bitte mal zur Kontrolle!" zu erkennen geben und in ihrer feinsinnigen Art eines von nervös knurrenden Hunden begleiteten Polizeikommandos jemanden fast ins Koma versetzen können. Der falsche Gebrauch von Höflichkeitsfloskeln macht sich breit. Nicht so erschreckend wie in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ähnlich sympathisch verhält es sich mit den armen Kassiererinnen, die jedermann einen genervten"schönen Abend" am Fließband wünschen. Am besten gibt man diesen Leuten Schauspielunterricht, damit sie wenigstens lernen richtig zu heucheln und dabei auch ein bisschen Spaß haben. Und Eltern könnte man Deutschunterricht erteilen, z.B. durch Migranten. Das würde auch gleichzeitig den kulturellen Austausch und die Integrierung und Integration fördern, was wiederum aggressives Potential, ausgelöst durch Vorurteile gegen Fremde von den einen und fehlendem sozialen Anschluss von den anderen mildern würde. Somit könnten auch wieder viele Leute ein aufrichtig freundliches "Bitte" aussprechen.

Donnerstag, 23. September 2010

Balzverhalten

So ist es, wenn ein Mann und eine Frau sich zum ersten Mal begegnen und gleich Anziehung füreinander empfinden. Sie beginnen dann, auf ganz intime Weise miteinander zu reden. Ihr Ausdruck ist vorsichtig, gewählt, ein Lachen kommt schnell auf und unterstreicht die Erotik, die in der Situation mitschwingt. Erotisch ist auch der Tonfall, indem beide miteinander reden. Jeder Anwesende wird damit automatisch aus der Unterhaltung ausgeschlossen. Die Beiden befinden sich in einer Blase, getrennt von der Außenwelt. Das Gespräch zwischen ihnen wird offenener, das Lachen kecker, der Augenaufschlag einladender, die Blase schwillt an.
Doch das ist auch der Moment, indem die prickelnde Situation sehr abrupt  ihr Ende finden kann. Es Bedarf nur einer Kleinigkeit, ein falsches Wort ein nichtssagender Blick, schon fällt die Stimmung wie ein nasser Sack. Zumindest für eine Person wird dann die andere völlig gleichgültig. Die andere versteht eventuell nicht, was passiert ist, bleibt verwirrt ob der plötzlichen Abwendung und versucht die Situation wieder herzustellen, in dem sie nun direktes Interesse zeigt. Dabei wird sie zunehmens verzweifelter, da der andere auf einmal nicht mehr erreichbar scheint, gibt sich alle Blöße. Doch zu spät, die Gelegenheit ist vertan und jede Mühe nun umsonst.

Dienstag, 21. September 2010

Mein Nachbar, Max

Mein Nachbar heißt Max. Ich habe nie mit ihm gesprochen, aber ich höre oft seinen Namen . Entweder im Treppenhaus oder von draußen. Max wohnt gleich im Zimmer nebenan. Er raucht gerne, das kann ich riechen, denn unsere Wände sind dünn. Daher weiß ich auch, wann Max Besuch hat. Max hat häufig Besuch, dann wird meistens Französisch gesprochen, Max kommt aus Senegal (das haben mir auch die Wände verraten). Er ist ziemlich groß, schwarz und hat eine ruhige, sanfte Stimme. Im Gegenteil zu den meisten seiner Besucher, die immer sehr laut reden und viel. Ich kann seinen Besuch schon an den Stimmen unterscheiden. Einer klingt so, als hätte er einen Teller im Mund stecken und als könnten sich daher seine Lippen beim Sprechen nicht berühren. Mit einem anderen unterhält sich Max auf einer Mischung aus englisch und deutsch, zwischen den beiden gibt es oft Missverständnisse. Max spricht gut deutsch, der andere offenbar nicht. Manchmal klopfen Max' Besucher versehentlich an meiner Tür, so dass ich nun auch weiß, wie sie aussehen. Normalerweise wird Max aber von unten auf der Straße gerufen. Manchmal höre ich schon früh morgens jemanden rufen: "Max!, Max!" Dann wirft er einen Schlüssel nach unten und der Besuch kommt nach oben.
Max hat auch eine Freundin. Sie ist Französin, hat eine starke Stimme, redet sehr viel und lacht laut, wenn sie bei Max ist. Aber sie war schon lange nicht mehr da. Ob es Beziehungsprobleme gibt? Anfangs hat sich Max mit einer anderen Frau getroffen und sie haben zusammen deutsch gelernt. Auch sie haben viel gelacht. Ob es mit ihr zu tun hat?
Musik hört Max nur selten, höchstens wenn Freunde bei ihm sind. Ich glaube, er schaut auch nicht viel fern. Wahrscheinlich ist er sehr nett. Eigentlich schade, dass man sich nicht kennt. Vielleicht sollte ich ihn mal ansprechen.