Irgendwann waren alle Menschen allen gegenüber so misstrauisch geworden, dass sie sich nur noch kurze hass- und angsterfüllte Blicke zuwarfen und das auch nur hinter einem hochgeschobenen Kragen oder durch eine dunkle Sonnenbrille hindurch. Anstatt miteinander zu reden, fauchten, brüllten oder knurrten sie sich an wie Tiere, sobald einer zu sehr in die Nähe des anderen kam. Die Macht des körperlich Stärkeren oder Schnelleren oder auch Listigsten setzte sich durch. Alte und schwangere Frauen fauchten besonders laut und schlugen jedem, der ihnen zu nahe kam, gleich die langen Fingernägel (die sie extra zu diesem Zweck züchteten) ins Gesicht. Das wurde besonders problematisch in öffentlichen Verkehrsmitteln, wo es oft eng werden konnte und Kontakt daher unvermeidlich war.
Die Menschen hörten trotz ihres gegenseitigen Hasses jedoch nicht auf, sich zu vermehren. Auch Nachwuchs wurde als Waffe eingesetzt. Aber die Art der Vermehrung änderte sich. Frauen wurden viel häufiger vergewaltigt, auch auf offener Straße, denn es war klar, dass niemand ihnen helfen würde. Oft waren Frauenschreie draußen zu vernehmen, doch nur wenn die Polizei kam, konnte der Vergewaltiger vertrieben werden. Mehr geschah nicht, denn die Gefängnisse waren bereits so voll, dass keine Verbrecher mehr aufgenommen werden konnten, und man witterte schon eine Meuterei wegen der schlechten Bedingungen für Häftlinge.
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