Montag, 22. März 2010

Clärchens Ballhaus


Samstag Abend in Berlin Mitte, Auguststraße. Auf der kleinen Tafel am Eingang von Clärchens Ballhaus kann man lesen: Heute schwofen. Dj und Band. Schwofen? Was auch immer das ist, es scheint gut zu sein, denn trotz Kälte und Regen drängt sich eine Schlange in Richtung Eingang. Der Eintritt kostet 3 Euro, das kann man schon mal riskieren. Neben der Kasse bröckelt der Putz des alten Gebäudes von den Wänden, der erste Raum im Erdgeschoss ist zum bersten voll, eine lustige Menge tanzt zum Swing einer Live-Band, hier drin kann man die Luft schneiden. Weiter geht’s ein Stockwerk nach oben in den Spiegelsaal. Ein großer Kronleuchter strahlt von der hohen Decke sanftes Licht in die namensgebenden großen Spiegel, die an allen Wänden hängen. Kellner im Frak tragen Bestellungen auf silbernen Tabletts aus. Das erstaunlichste neben der bezaubernden 20er Jahre Kulisse, die dieser Saal bietet, ist das Publikum: In Altersgruppen von 20 bis 80 tanzen hier alle zusammen ausgelassen fröhlich zur Musik von „Culture Club“ bis „Las chicas del Tomate“. Diese ungewohnte Mischung der Generationen wirkt zu Beginn noch etwas befremdlich, doch die Stimmung ist ansteckend, man kann hier nur Party machen und gute Laune haben. Das Ambiente gleicht einer Hochzeitsveranstaltung, in der Vater und Tochter, Oma und Enkelin zusammen feiern, es fehlen bloß noch die Kinder. Je später der Abend, desto mehr füllen sich die Sääle, es wird richtig eng. Doch die älteren Generationen stört es wenig, mit ihren vergnügten Tanzeinlagen wirken sie beweglicher und lebhafter als so manch Jüngerer. Wieder unten im Saal, in dem die Band spielt, die Menge tobt noch, eine bereits ergraute Dame tanzt mit einer 20-Jährigen, ich bin vom vielen Tanzen de, gehe nach Hause, die ergraute Dame und viele andere feiern weiter. Eine Stadt, in der man alt werden kann.



Montag, 15. März 2010

Hast'n Problem, eh?

Probleme, Probleme, Probleme, alle haben Probleme. So viele, dass man sich verabredet, um ganz viel über seine Probleme zu reden und sich dann doch nicht trifft, um sich nicht auch noch die des anderen anhören zu müssen. Ein Dauer-Prämenstruales-Syndrom, das grassiert.
Und wann hört es eigentlich auf zu schneien??

Freitag, 12. März 2010

Emo versus Ratio

Mit Sätzen immer die genaue Realität abzubilden funktioniert nicht, das musste schon Wittgenstein einsehen. Dann gibt es aber noch den Zwiespalt zwischen Rationalität und Emotionalität im Bezug auf Gesagtes. Einen Satz zu hören und zu wissen, wie ihn die Person, von der er stammt, gemeint hat, ist gut -reicht aber nicht. Manchmal, bei uns Frauen vielleicht häufiger, setzt sich blitzschnell die Emotion durch. Das Gesagte wird aus dem Kontext des anderen herausgelöst und gelangt in den eigenen Kopf als böses, tränenprovozierendes Ungeheuer, das dort ein kleines Massaker anrichtet. Tatsächlich wäre es sinnvoll, sich zu bemühen das zu verstehen, was der andere ausdrücken wollte und Worte nur als Hilfsmittel zu begreifen. Aber oft gelingt es nicht, der Kopf kommt zuerst und versteht, doch schon in der nächsten Sekunde hat sich die Emotion vorgedrängelt und weigert sich rational zu sein, wütet statt dessen aufgebracht und setzt ihre eigene Vorstellung durch.
Dieser Zwiespalt zwischen Emo- und Rationalität taucht oft in Liebesbeziehungen auf, auch ohne Worte. Jemand, der sich z.B. sicher ist, dass ihn der andere nicht betrügen würde, kann trotzdem befallen werden vom Gift der Eifersucht und dadurch vollkommen von Sinnen werden, im Kopf Bilder der geliebten Person mit einer anderen sehen und sich dann von der eigenen Einbildung überzeugen lassen.
Niemand will sicherlich eifersüchtig sein, aber, frei nach Schopenhauer: "Kann ich wollen, was ich will?"