Montag, 18. Oktober 2010
Der Ton macht die Musik
Ich finde es unverantwortlich, wenn Eltern ihren Kindern sagen "Lass bitte die Jacke an!", aber der Tonfall signalisiert, "wenn du es nicht tust, knall ich dir eine". Wie soll das Arme Kind denn den Unterschied zwischen einer Bitte und einem Befehl lernen? Nur der erzieherischen Korrektheit wegen das Wort "bitte" zu benutzen verdreht der Aussage doch völlig den Sinn. Man kann ja auch niemandem ins Gesicht schreien, dass man ihn furchtbar sympathisch findet. Aber diese "Korrektheit" schleicht sich genauso in anderen Situationen ein, z.B. wenn in zivil gekleidete Kontrolleure sich plötzlich mit ihrem "die Fahrkarten bitte mal zur Kontrolle!" zu erkennen geben und in ihrer feinsinnigen Art eines von nervös knurrenden Hunden begleiteten Polizeikommandos jemanden fast ins Koma versetzen können. Der falsche Gebrauch von Höflichkeitsfloskeln macht sich breit. Nicht so erschreckend wie in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ähnlich sympathisch verhält es sich mit den armen Kassiererinnen, die jedermann einen genervten"schönen Abend" am Fließband wünschen. Am besten gibt man diesen Leuten Schauspielunterricht, damit sie wenigstens lernen richtig zu heucheln und dabei auch ein bisschen Spaß haben. Und Eltern könnte man Deutschunterricht erteilen, z.B. durch Migranten. Das würde auch gleichzeitig den kulturellen Austausch und die Integrierung und Integration fördern, was wiederum aggressives Potential, ausgelöst durch Vorurteile gegen Fremde von den einen und fehlendem sozialen Anschluss von den anderen mildern würde. Somit könnten auch wieder viele Leute ein aufrichtig freundliches "Bitte" aussprechen.
Donnerstag, 23. September 2010
Balzverhalten
So ist es, wenn ein Mann und eine Frau sich zum ersten Mal begegnen und gleich Anziehung füreinander empfinden. Sie beginnen dann, auf ganz intime Weise miteinander zu reden. Ihr Ausdruck ist vorsichtig, gewählt, ein Lachen kommt schnell auf und unterstreicht die Erotik, die in der Situation mitschwingt. Erotisch ist auch der Tonfall, indem beide miteinander reden. Jeder Anwesende wird damit automatisch aus der Unterhaltung ausgeschlossen. Die Beiden befinden sich in einer Blase, getrennt von der Außenwelt. Das Gespräch zwischen ihnen wird offenener, das Lachen kecker, der Augenaufschlag einladender, die Blase schwillt an.
Doch das ist auch der Moment, indem die prickelnde Situation sehr abrupt ihr Ende finden kann. Es Bedarf nur einer Kleinigkeit, ein falsches Wort ein nichtssagender Blick, schon fällt die Stimmung wie ein nasser Sack. Zumindest für eine Person wird dann die andere völlig gleichgültig. Die andere versteht eventuell nicht, was passiert ist, bleibt verwirrt ob der plötzlichen Abwendung und versucht die Situation wieder herzustellen, in dem sie nun direktes Interesse zeigt. Dabei wird sie zunehmens verzweifelter, da der andere auf einmal nicht mehr erreichbar scheint, gibt sich alle Blöße. Doch zu spät, die Gelegenheit ist vertan und jede Mühe nun umsonst.
Doch das ist auch der Moment, indem die prickelnde Situation sehr abrupt ihr Ende finden kann. Es Bedarf nur einer Kleinigkeit, ein falsches Wort ein nichtssagender Blick, schon fällt die Stimmung wie ein nasser Sack. Zumindest für eine Person wird dann die andere völlig gleichgültig. Die andere versteht eventuell nicht, was passiert ist, bleibt verwirrt ob der plötzlichen Abwendung und versucht die Situation wieder herzustellen, in dem sie nun direktes Interesse zeigt. Dabei wird sie zunehmens verzweifelter, da der andere auf einmal nicht mehr erreichbar scheint, gibt sich alle Blöße. Doch zu spät, die Gelegenheit ist vertan und jede Mühe nun umsonst.
Dienstag, 21. September 2010
Mein Nachbar, Max
Mein Nachbar heißt Max. Ich habe nie mit ihm gesprochen, aber ich höre oft seinen Namen . Entweder im Treppenhaus oder von draußen. Max wohnt gleich im Zimmer nebenan. Er raucht gerne, das kann ich riechen, denn unsere Wände sind dünn. Daher weiß ich auch, wann Max Besuch hat. Max hat häufig Besuch, dann wird meistens Französisch gesprochen, Max kommt aus Senegal (das haben mir auch die Wände verraten). Er ist ziemlich groß, schwarz und hat eine ruhige, sanfte Stimme. Im Gegenteil zu den meisten seiner Besucher, die immer sehr laut reden und viel. Ich kann seinen Besuch schon an den Stimmen unterscheiden. Einer klingt so, als hätte er einen Teller im Mund stecken und als könnten sich daher seine Lippen beim Sprechen nicht berühren. Mit einem anderen unterhält sich Max auf einer Mischung aus englisch und deutsch, zwischen den beiden gibt es oft Missverständnisse. Max spricht gut deutsch, der andere offenbar nicht. Manchmal klopfen Max' Besucher versehentlich an meiner Tür, so dass ich nun auch weiß, wie sie aussehen. Normalerweise wird Max aber von unten auf der Straße gerufen. Manchmal höre ich schon früh morgens jemanden rufen: "Max!, Max!" Dann wirft er einen Schlüssel nach unten und der Besuch kommt nach oben.
Max hat auch eine Freundin. Sie ist Französin, hat eine starke Stimme, redet sehr viel und lacht laut, wenn sie bei Max ist. Aber sie war schon lange nicht mehr da. Ob es Beziehungsprobleme gibt? Anfangs hat sich Max mit einer anderen Frau getroffen und sie haben zusammen deutsch gelernt. Auch sie haben viel gelacht. Ob es mit ihr zu tun hat?
Musik hört Max nur selten, höchstens wenn Freunde bei ihm sind. Ich glaube, er schaut auch nicht viel fern. Wahrscheinlich ist er sehr nett. Eigentlich schade, dass man sich nicht kennt. Vielleicht sollte ich ihn mal ansprechen.
Max hat auch eine Freundin. Sie ist Französin, hat eine starke Stimme, redet sehr viel und lacht laut, wenn sie bei Max ist. Aber sie war schon lange nicht mehr da. Ob es Beziehungsprobleme gibt? Anfangs hat sich Max mit einer anderen Frau getroffen und sie haben zusammen deutsch gelernt. Auch sie haben viel gelacht. Ob es mit ihr zu tun hat?
Musik hört Max nur selten, höchstens wenn Freunde bei ihm sind. Ich glaube, er schaut auch nicht viel fern. Wahrscheinlich ist er sehr nett. Eigentlich schade, dass man sich nicht kennt. Vielleicht sollte ich ihn mal ansprechen.
Bohren
Bohren, das unerträglichste Geräusch auf diesem Planeten. Schlimmer als falsches Singen und schlechter Techno. Bohren gibt es in unterschiedlichen Tönen und Lautstärken. Gegen Bohren hilft nichts, keine Ohrstöpsel, kein Kissen. Mit Bohren geht nichts. Bohren im Ohr verhindert denken, schlafen, kochen, lesen. Sogar Sport geht nicht. Bohren dringt ins Gehirn, berührt den Nerv. Schmerzt. Bohren erinnert an Zahnarzt. Bohren ist immer zu laut, hört nie auf! Gegen Bohrgeräusch hilft nur Flucht.
Freitag, 6. August 2010
Ich wäre gerne autark
Es ist ja schön das gesellschaftliche Leben oder, besser gesagt, das Leben in Gesellschaft. Es kann sogar unglaublich erfreulich sein und es ist faszinierend, was die Gesellschaft eines Menschen an Glückshormonen bei einem selbst auslösen kann. Andererseits wird auch mal jede noch so geliebte und geschätzte Gesellschaft anstrengend mit den im Laufe der Zeit auftretenden immer gleichen zwischenmenschlichen Problemen. Sei es die Beziehung, die Freundschaft oder die Familie, nerven tun sie alle mal. Aber Probleme hin oder her, ohne (erfreuliche) Gesellschaft geht es nicht. Man verliert sich, wird sich seiner eigenen Meinung unsicher, wenn kein Feedback, keine Gegenmeinung da ist. Man wird haltlos. Bücher als Ersatz funktionieren eine Weile, Fernsehen gar nicht, virtuelle Kontakte gehen kurz mal, e-mails schreiben ist gut, aber einmal sind auch alle e-mails geschrieben. Jeder Mensch braucht Gesellschaft. Verflucht. Ich wäre gerne psychisch autark. Nicht, dass ich nicht gerne in Gesellschaft wäre, im Gegenteil. Aber es sollte zumindest frei wählbar sein, mit oder ohne auskommen zu können. Zumindest für "gesellschaftliche Dürreperioden" je nachdem wo man sich gerade aufhält oder was man zu tun hat wäre das ein sehr guter Überlebensmechanismus. Es sollte einen Schalter geben: Mitmenschen on/off. Ein schlauer Ethnologe hatte vielleicht das gleiche Problem als feststellte: "Kultur und Gesellschaft sind Grundstrukturen, d.h. irreduzible Grundbedingungen des Menschseins überhaupt. Menschliches Dasein, wie wir es kennen, ist nur auf dem Boden und im Rahmen von Kultur und Gesellschaft denkbar." Und noch schlimmer: "Der Mensch muss sich der Kultur als einer symbolischen Sinnwelt anpassen, die ihm die Welt symbolisch vermittelt und dadurch bewohnbar macht. Ihm bleibt keine andere Wahl." Heul.
Dienstag, 29. Juni 2010
Buch versteckt
Es ist eben gerade ein Buch verschwunden. Das war mir neu, ich wusste nicht, dass Bücher einfach so verschwinden können. Ich habe es überall gesucht, auf dem Boden, auf meinem Bett, unter meinem Bett, dabei sind andere Dinge aufgetaucht, aber das Buch ist einfach nicht aufzufinden. Ich hatte gerade noch darüber geschrieben und dabei einen Blick auf den grünen, leicht erkennbaren Einband geworfen, doch jetzt ist es weg. Ich suche es auf meinem Tisch, unter dem Tisch, zwischen dem Tisch, auf der Fensterbank, hinter der Kommode, in meinem Wäschekorb. Ich habe es schon auf meinem Kopf vermutet, wie eine Brille, die man vergisst, auch da ist es nicht. Eigentlich glaube ich nicht an Übersinnliches, aber ich vermute, es ist auf Reisen gegangen. Es trägt in sich "Das chinesische Denken", was ich leider nicht kenne, da ich es gerade lesen wollte. Also kann ich noch nicht einmal raten, wo es gerne hingehen möchte. Ich bin fast bereit, im Kühlschrank nachzuschauen, viel bleibt auf meiner überschaubaren Wohnfläche auch nicht übrig. Bei dieser Hitze wäre das einzusehen. Im Mülleimer ist es nicht und ständig überfällt mich eine unbegründete Freude, wenn ich es mit seinem kleinen Bruder, der "chinesischen Zivilisation" verwechsle. Der ist nämlich genauso grün und klein. Vielleicht ist es in meinen Laptop geschlüpft und spielt Verstecken? Oder aber es schreibt mir eine e-mail. Das wäre nett. Ich warte ab.
Montag, 10. Mai 2010
Der unglückliche Mann
Es war einmal ein Mann, schon über fünfzig Jahre alt, der lebte mit seiner Frau und seinen Kindern auf einem Dorf. Obwohl er alles hatte, was er brauchte -eine Frau, ein schönes Haus, Kinder und genug zu Essen- beschwerte er sich immerzu über sein Leben: "Mein Leben ist so schlecht, es ödet mich an. Ich hätte etwas viel besseres verdient, als in einem Häuschen auf dem Land zu leben." Immer wieder und wieder trug er seiner Familie und jedem, der den Mann nach seinem Wohlbefinden fragte, seine Klage vor. Seine Frau konnte es schon nicht mehr hören und seine Kinder vermieden so gut es ging längere Gespräche mit ihm. Eines Tages, als der unglückliche Mann wiedereinmal durch das Dorf lief und seine Unzufriedenheit über sein Schicksal vor sich hin brummte, erschien vor ihm plötzlich ein kleiner alter Mann. Der fragte ihn: "Warum jammerst du so? Mann kann es schon aus dem Nachbardorf hören. Was ist dir denn Schlimmes zugestoßen?" Da antwortete der unglückliche Mann etwas erstaunt, denn er hatte den Alten nie zuvor gesehen: "Mein Leben ist so schrecklich unnütz. Ich lebe in einem langweiligen Dorf und bin nur ein einfacher Bauer. Ich habe ein besseres Leben verdient." Der kleine Mann überlegte, dann sagte er: "Aber du hast doch alles, was du zum Leben brauchst: eine nette Frau, Kinder, ein Haus, und genug zu Essen für dich und deine Familie."
"Ja", antwortete der unzufriedene Mann, "aber das ist doch nichts besonderes, andere haben viel größere Häuser und sind angesehener als ich."
"Nun gut", entgegnete der Alte, "ich will dir drei Nüsse schenken, mit denen hast du jeweils einen Wunsch frei." Er übergab dem Unzufriedenen die Nüsse und so plötzlich wie er aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. Der unzufriedene Mann stand noch einen Moment ungläubig da, dann aber überkam ihn die Freude und er lief schnell nach Hause zu seiner Frau, um ihr von dem unglaublichen Ereignis zu erzählen. Als die Frau davon hörte, wurde sie ganz aufgeregt und wollte sich sogleich etwas wünschen. Sie schmiegte sich an ihren Mann und sprach ganz zärtlich zu ihm: "Mein wundervoller Mann, ich bin doch deine liebe Frau und war immer an deiner Seite, gib mir eine dieser Nüsse, ich möchte mir so gerne etwas wünschen." Da wurde der Mann weich und gab ihr eine Nuss. Die Frau ergriff die Nuss sogleich fest und wünschte sich ganz laut: "Mein Wunsch soll in Erfüllung gehen, ich möchte die schönste Frau im ganzen Land sein." Kaum hatte sie es ausgesprochen, verwandelte sie sich in die schönste Frau, die man in diesem Land je gesehen hatte. Der sonst unzufriedene Mann war zuerst etwas skeptisch, da er seine Frau nicht wiedererkannte, doch schon bald sprach sie zu ihm mit vertrauter Stimme und er ließ sich von ihrer Schönheit verzaubern. Ihre Ehe wurde so leidenschaftlich, wie sie es nie zuvor gewesen war.
Doch schon bald hörte der König, dass es in diesem Dorf eine Frau gab, die schöner sein sollte, als alle anderen Frauen des Landes. "Ich will diese Frau haben!", sagte er und befahl daraufhin seinen Rittern, sie zu ihm bringen. So kam es, dass die schöne Frau des mittlerweile sehr zufriedenen Mannes unter dem Geschrei und Gezappel der Frau und unter dem Flehen des Mannes, entführt und in den Palast des Königs gebracht wurde.
Da weinte der Mann sehr in seinem verlassenen Haus und wurde nun noch unglücklicher als zuvor. Er verfluchte die Frau um ihre Eitelkeit. Doch schon bald fiel ihm ein, dass er noch zwei Nüsse übrig hatte, mit denen er sich etwas wünschen konnte. Also nahm er eine Nuss, hielt sie fest in einer Hand und sagte: "Ich wünsche mir fünf Säcke mit Gold, damit ich dem König meine Frau abkaufen kann." Kaum hatte er den Wunsch ausgesprochen, standen vor seinen Füßen fünf schwere Säcke mit Gold. Damit zog er nun zum König. Nach drei anstrengenden Tagen Fußmarsch erreichte er den Palast. Dort stellte sich der Mann vor die Tore und rief so laut er konnte: "König, gib mir meine Frau zurück, ich biete dir dafür fünf Säcke mit Gold!" Der König hörte den Ruf und da er Gold noch mehr schätzte als die Schönheit von Frauen, stimmte er dem Tausch zu. Überglücklich nahm der Mann seine Frau in die Arme, diese freute sich ebenfalls sehr, ihn wiederzusehen und gemeinsam machten sie sich auf den dreitägigen Marsch zurück ins Dorf. Zu Hause angekommen, ging der Mann sofort zur Schublade, in der er die letzte Nuss versteckt hatte, nahm sie und sprach zur Frau: "So, das ist der letzte Wunsch, den wir haben. Ich wünsche ich mir, dass du wieder genauso so bist wie früher."
Montag, 22. März 2010
Clärchens Ballhaus
Samstag Abend in Berlin Mitte, Auguststraße. Auf der kleinen Tafel am Eingang von Clärchens Ballhaus kann man lesen: Heute schwofen. Dj und Band. Schwofen? Was auch immer das ist, es scheint gut zu sein, denn trotz Kälte und Regen drängt sich eine Schlange in Richtung Eingang. Der Eintritt kostet 3 Euro, das kann man schon mal riskieren. Neben der Kasse bröckelt der Putz des alten Gebäudes von den Wänden, der erste Raum im Erdgeschoss ist zum bersten voll, eine lustige Menge tanzt zum Swing einer Live-Band, hier drin kann man die Luft schneiden. Weiter geht’s ein Stockwerk nach oben in den Spiegelsaal. Ein großer Kronleuchter strahlt von der hohen Decke sanftes Licht in die namensgebenden großen Spiegel, die an allen Wänden hängen. Kellner im Frak tragen Bestellungen auf silbernen Tabletts aus. Das erstaunlichste neben der bezaubernden 20er Jahre Kulisse, die dieser Saal bietet, ist das Publikum: In Altersgruppen von 20 bis 80 tanzen hier alle zusammen ausgelassen fröhlich zur Musik von „Culture Club“ bis „Las chicas del Tomate“. Diese ungewohnte Mischung der Generationen wirkt zu Beginn noch etwas befremdlich, doch die Stimmung ist ansteckend, man kann hier nur Party machen und gute Laune haben. Das Ambiente gleicht einer Hochzeitsveranstaltung, in der Vater und Tochter, Oma und Enkelin zusammen feiern, es fehlen bloß noch die Kinder. Je später der Abend, desto mehr füllen sich die Sääle, es wird richtig eng. Doch die älteren Generationen stört es wenig, mit ihren vergnügten Tanzeinlagen wirken sie beweglicher und lebhafter als so manch Jüngerer. Wieder unten im Saal, in dem die Band spielt, die Menge tobt noch, eine bereits ergraute Dame tanzt mit einer 20-Jährigen, ich bin vom vielen Tanzen müde, gehe nach Hause, die ergraute Dame und viele andere feiern weiter. Eine Stadt, in der man alt werden kann.
Donnerstag, 18. März 2010
Montag, 15. März 2010
Hast'n Problem, eh?
Probleme, Probleme, Probleme, alle haben Probleme. So viele, dass man sich verabredet, um ganz viel über seine Probleme zu reden und sich dann doch nicht trifft, um sich nicht auch noch die des anderen anhören zu müssen. Ein Dauer-Prämenstruales-Syndrom, das grassiert.
Und wann hört es eigentlich auf zu schneien??
Und wann hört es eigentlich auf zu schneien??
Freitag, 12. März 2010
Emo versus Ratio
Mit Sätzen immer die genaue Realität abzubilden funktioniert nicht, das musste schon Wittgenstein einsehen. Dann gibt es aber noch den Zwiespalt zwischen Rationalität und Emotionalität im Bezug auf Gesagtes. Einen Satz zu hören und zu wissen, wie ihn die Person, von der er stammt, gemeint hat, ist gut -reicht aber nicht. Manchmal, bei uns Frauen vielleicht häufiger, setzt sich blitzschnell die Emotion durch. Das Gesagte wird aus dem Kontext des anderen herausgelöst und gelangt in den eigenen Kopf als böses, tränenprovozierendes Ungeheuer, das dort ein kleines Massaker anrichtet. Tatsächlich wäre es sinnvoll, sich zu bemühen das zu verstehen, was der andere ausdrücken wollte und Worte nur als Hilfsmittel zu begreifen. Aber oft gelingt es nicht, der Kopf kommt zuerst und versteht, doch schon in der nächsten Sekunde hat sich die Emotion vorgedrängelt und weigert sich rational zu sein, wütet statt dessen aufgebracht und setzt ihre eigene Vorstellung durch.
Dieser Zwiespalt zwischen Emo- und Rationalität taucht oft in Liebesbeziehungen auf, auch ohne Worte. Jemand, der sich z.B. sicher ist, dass ihn der andere nicht betrügen würde, kann trotzdem befallen werden vom Gift der Eifersucht und dadurch vollkommen von Sinnen werden, im Kopf Bilder der geliebten Person mit einer anderen sehen und sich dann von der eigenen Einbildung überzeugen lassen.
Niemand will sicherlich eifersüchtig sein, aber, frei nach Schopenhauer: "Kann ich wollen, was ich will?"
Dieser Zwiespalt zwischen Emo- und Rationalität taucht oft in Liebesbeziehungen auf, auch ohne Worte. Jemand, der sich z.B. sicher ist, dass ihn der andere nicht betrügen würde, kann trotzdem befallen werden vom Gift der Eifersucht und dadurch vollkommen von Sinnen werden, im Kopf Bilder der geliebten Person mit einer anderen sehen und sich dann von der eigenen Einbildung überzeugen lassen.
Niemand will sicherlich eifersüchtig sein, aber, frei nach Schopenhauer: "Kann ich wollen, was ich will?"
Freitag, 22. Januar 2010
Aufschieben
„Der bedeutende Unterschied besteht nicht zwischen Leuten, die gut schreiben und denen, die schlecht schreiben, sondern zwischen denen die schreiben und denen, die nicht schreiben“, sagt mein Vater und ich finde, er hat Recht. Sei es nun die lang ersehnte Abschlussarbeit im Studium oder andere Aufgaben, die man sich vorgenommen hat, das Nicht-Erledigen von Dingen scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, dies beweist schon allein die Häufigkeit der oft in studentischen Zeitschriften erscheinenden Artikel mit Titeln wie „Endlich Losschreiben“ oder „Gegen das ewige Aufschieben“. Einen Vortrag über genau dieses Aufschieben habe ich einmal an der Uni gehört, darin hieß es, dass manche Leute den Kick, die Angst, den Stress bräuchten, um eine Aufgabe bewältigen zu können. Andere dagegen schieben ihr ganzes Leben lang Dinge auf (und erledigen ihr Zeug nie) womit wir wieder bei meinem Vater wären: Manche haben brilliante Ideen, setzen diese aber nie um. Schade, sehr schade. Laut Vortrag gibt es aber noch einen gewissen Prozentsatz an Menschen, die es tatsächlich schaffen, alles bei Zeiten zu erledigen. Respekt. Der Redner, übrigens ein Psychologe, beendete seinen Vortrag über das Aufschieben mit dem Rat, sich auch zu entschließen, eine Sache nicht zu tun, anstatt Jahre lang an dem Glauben festzuhalten – und sich damit zu quälen – , sie irgendwann doch noch zu erledigen.
Eine ganz andere Sichtweise auf das gleiche Thema fand sich in einem von einer Frau geschriebenen Artikel. Diese pries alle Vorzüge des „Alles-auf-den-letzten-Drücker-Erledigens“ – sie gehörte offenbar zur Kategorie eins, der Kickbedürftigen – und empfand die so genannten Vermeidungsstrategien, normalerweise gängige Nebenprodukte des Aufschiebens wie putzen, essen oder waschen, als äußerst nützlich. Die Autorin beschrieb tagebuchartig, wie sie die Arbeit an einem Buch immer länger hinauszögerte, dafür aber zuletzt in einem Ruck seitenweise Text produzierte, als die Abgabefrist bereits fast erreicht war. Rechtzeitig fertig wurde sie nicht, konnte aber ihre Deadline um einige Tage nach hinten verschieben, schrieb zu Ende und berichtete dann stolz, was sie während ihrer Aufschiebezeit noch so alles erledigt hatte – z.B. das Schreiben eines weiteren Buches. Für Leute, die während des Aufschiebens putzen, hatte sie jedoch nichts übrig.
Mein persönliches Ablenkungsmanöver besteht im Essen. Das Ergebnis ist ein voller Bauch, ein paar Kilo mehr nach kurzer Zeit und auch noch ein schlechtes Gewissen wegen nicht getaner Arbeit. Auch nicht gut, aber wenigstens habe ich einen Text geschrieben.
Eine ganz andere Sichtweise auf das gleiche Thema fand sich in einem von einer Frau geschriebenen Artikel. Diese pries alle Vorzüge des „Alles-auf-den-letzten-Drücker-Erledigens“ – sie gehörte offenbar zur Kategorie eins, der Kickbedürftigen – und empfand die so genannten Vermeidungsstrategien, normalerweise gängige Nebenprodukte des Aufschiebens wie putzen, essen oder waschen, als äußerst nützlich. Die Autorin beschrieb tagebuchartig, wie sie die Arbeit an einem Buch immer länger hinauszögerte, dafür aber zuletzt in einem Ruck seitenweise Text produzierte, als die Abgabefrist bereits fast erreicht war. Rechtzeitig fertig wurde sie nicht, konnte aber ihre Deadline um einige Tage nach hinten verschieben, schrieb zu Ende und berichtete dann stolz, was sie während ihrer Aufschiebezeit noch so alles erledigt hatte – z.B. das Schreiben eines weiteren Buches. Für Leute, die während des Aufschiebens putzen, hatte sie jedoch nichts übrig.
Mein persönliches Ablenkungsmanöver besteht im Essen. Das Ergebnis ist ein voller Bauch, ein paar Kilo mehr nach kurzer Zeit und auch noch ein schlechtes Gewissen wegen nicht getaner Arbeit. Auch nicht gut, aber wenigstens habe ich einen Text geschrieben.
Mittwoch, 13. Januar 2010
Bilanz
Nach dreimonatigem Wiedereinleben im guten alten Saarland bei vorausgegangenen 7 Jahren Abwesenheit, 5 davon in Berlin, habe ich gelernt:
Es gibt auch Behörden ohne 3,5 Stunden Wartezeit, wo man direkt drankommt und sogar freundlich behandelt wird.
Ruhe und Stille sind keine überholten Konzepte aus einer längst vergangenen Zeit.
Hier kann man nicht nur zuschauen, was andere für tolle Dinge tun, man darf auch mitmachen.
Ich kenne meine Nachbarin. Und das ist auch gut so!
Nicht alle psychisch sonderbaren Menschen sind außergewöhnlich, interessant oder Künstler.
Ähnlich: Nicht alle Leute, die nicht arbeiten, sind kritische alternative Systemverweigerer.
Es ist leicht, Leute kennenzulernen, wenn man will, und man trifft sie sogar wieder.
Autofahren.
Man ist das Produkt seiner Eltern.
Sozialsein tut gar nicht weh.
Saarlännisch.
Spanische Grammatik.
Auch Saarbrücken hat Theater, sogar viele und gar nicht so schlechte.
Vielleicht kann man die Leichtigkeit des Seins ertragen lernen.
Es gibt auch Behörden ohne 3,5 Stunden Wartezeit, wo man direkt drankommt und sogar freundlich behandelt wird.
Ruhe und Stille sind keine überholten Konzepte aus einer längst vergangenen Zeit.
Hier kann man nicht nur zuschauen, was andere für tolle Dinge tun, man darf auch mitmachen.
Ich kenne meine Nachbarin. Und das ist auch gut so!
Nicht alle psychisch sonderbaren Menschen sind außergewöhnlich, interessant oder Künstler.
Ähnlich: Nicht alle Leute, die nicht arbeiten, sind kritische alternative Systemverweigerer.
Es ist leicht, Leute kennenzulernen, wenn man will, und man trifft sie sogar wieder.
Autofahren.
Man ist das Produkt seiner Eltern.
Sozialsein tut gar nicht weh.
Saarlännisch.
Spanische Grammatik.
Auch Saarbrücken hat Theater, sogar viele und gar nicht so schlechte.
Vielleicht kann man die Leichtigkeit des Seins ertragen lernen.
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