Freitag, 6. August 2010
Ich wäre gerne autark
Es ist ja schön das gesellschaftliche Leben oder, besser gesagt, das Leben in Gesellschaft. Es kann sogar unglaublich erfreulich sein und es ist faszinierend, was die Gesellschaft eines Menschen an Glückshormonen bei einem selbst auslösen kann. Andererseits wird auch mal jede noch so geliebte und geschätzte Gesellschaft anstrengend mit den im Laufe der Zeit auftretenden immer gleichen zwischenmenschlichen Problemen. Sei es die Beziehung, die Freundschaft oder die Familie, nerven tun sie alle mal. Aber Probleme hin oder her, ohne (erfreuliche) Gesellschaft geht es nicht. Man verliert sich, wird sich seiner eigenen Meinung unsicher, wenn kein Feedback, keine Gegenmeinung da ist. Man wird haltlos. Bücher als Ersatz funktionieren eine Weile, Fernsehen gar nicht, virtuelle Kontakte gehen kurz mal, e-mails schreiben ist gut, aber einmal sind auch alle e-mails geschrieben. Jeder Mensch braucht Gesellschaft. Verflucht. Ich wäre gerne psychisch autark. Nicht, dass ich nicht gerne in Gesellschaft wäre, im Gegenteil. Aber es sollte zumindest frei wählbar sein, mit oder ohne auskommen zu können. Zumindest für "gesellschaftliche Dürreperioden" je nachdem wo man sich gerade aufhält oder was man zu tun hat wäre das ein sehr guter Überlebensmechanismus. Es sollte einen Schalter geben: Mitmenschen on/off. Ein schlauer Ethnologe hatte vielleicht das gleiche Problem als feststellte: "Kultur und Gesellschaft sind Grundstrukturen, d.h. irreduzible Grundbedingungen des Menschseins überhaupt. Menschliches Dasein, wie wir es kennen, ist nur auf dem Boden und im Rahmen von Kultur und Gesellschaft denkbar." Und noch schlimmer: "Der Mensch muss sich der Kultur als einer symbolischen Sinnwelt anpassen, die ihm die Welt symbolisch vermittelt und dadurch bewohnbar macht. Ihm bleibt keine andere Wahl." Heul.
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Das Leben selbst führt uns nach und nach, von Fall zu Fall, zu der Wahrnehmung, daß alles das, was uns für unser Herz oder für unseren Geist das Allerwichtigste ist, uns nicht durch vernunftmäßige Überlegung zuteil wird, sondern durch andere Mächte.
AntwortenLöschenNa dann Proust.
AntwortenLöschenGut gewußt.
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