Ich bin weder super ordentlich noch habe ich einen Putzfimmel, ich halte meine Dinge gerade so, dass ich stets einen halbwegs guten Überblick darüber habe oder dass ein solcher wenigstens schnell herzustellen ist. Wenn ich jedoch mit jemandem zusammenwohne, der weniger ordentlich bis ziemlich chaotisch ist, gerate ich in Unruhe, denn meine eigene kleine Ordnungswelt läuft nun Gefahr, von größeren Mächten eingenommen zu werden, sprich ich fürchte, den Überblick zu verlieren. Die Konsequenz dessen sieht so aus, dass ich fortan nicht nur bei meinen eigenen Sachen ein viel stärkeres Maß an Ordnung an den Tag lege, sondern auch bei den des anderen. Die Angst, das fremde Chaos könnte auf meine gerade so überschaubare Welt überschwappen und diese somit für mich verwischen, ist zu groß.
Dies hat leider den Nachteil, dass man schnell zum Daueraufräumer des Chaosverursachers wird, da die eigene Toleranzgrenze neunmal niedriger ist, als die des anderen. Außerdem gewinnt die Sache schnell den Charakter einer Sisyphos-Arbeit, denn der/die Chaotische lernt ja durch die bereitgestellte Ordnung nicht etwa, seine Dinge selbst besser zu verwalten, sondern verfährt im Gegenteil weiter bis bisher, merkt gar nicht, dass jemand aufräumt, wird eventuell sogar nachlässiger und hält es für einen natürlichen Zustand, dass die Dinge auf wundersame Weise stets wieder in ordentlich aufzufinden sind.
Kritisch wird dieser Fall in WGs, wo man meistens nicht nur einen, sondern gleich mehrere Mitbewohner hat, für deren Ordnung zu sorgen ist. Aber auch in Beziehungen wirkt sich diese Service-Manie sehr fatal aus, zumal man als Frau ohnehin dazu neigt, für den Liebsten automatisch mit aufzuräumen und nach einiger Zeit routinemäßig die Socken des anderen wäscht. In regelmäßigen Zeitabständen platzt der Kragen und man hält eine große anmahnende Rede über die Unordnung des anderen und beschwert sich darüber, immer dem anderen hinter herräumen und dazu noch alleine putzen zu müssen. Dies endet dann meistens in Besserungsbeteuerungen seitens des Getadelten und ist spätestens am zweiten Tag wieder in Vergessenheit geraten. Nicht dass man als Aufräumer daraus lernen würde, nein, man macht seltsamerweise weiter wie bisher: Aufräumen für den anderen –dient auch gerne als Entschuldigung, weshalb man selbst zu nichts kommt– und hin und wieder böses theatralisches Auflehnen und Schimpfen.
So bleibt man ein eingespieltes Team; es scheint, als erweise sich das sonst so oft sinnlos verwendete Sprichwort hier als sehr zutreffend: Gegensätze ziehen sich an.
Sonntag, 24. Mai 2009
Ordnung muss sein
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Ordnung ist das halbe Leben... und wenn in der WG eine gemeinsame Ordnung herrscht statt der Eigenen hat man wohl sein halbes Leben der Gemeinschaft geopfert - all zu oft kann man so was nicht machen. Das Aufräumen ist dann wohl ein Versuch den Deal wieder rückgängig zu machen - was tatsächlich zu einer Sisyphos-Arbeit wird. Aber wenn Sisyphos diese Last auferlegt bekam weil er die Götter verspottet und den Tod gefesselt hat, was haben wir getan das es uns immer wieder in solch obskure Bindungen treibt.
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